Lorberg liefert Gehölze für die „Allee der Champions“ - Ein Interview mit der Lorberg-Projektbeauftragten Imke Kleinschmidt

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Lorberg liefert Gehölze für die „Allee der Champions“ - Ein Interview mit der Lorberg-Projektbeauftragten Imke Kleinschmidt

26Mär 2018

Der „Olympic Way“ oder die „Allee der Champions“ führt direkt von der U-Bahnstation auf das weltbekannte Wembley-Stadion im Londoner Stadtteil ‚Brent‘ zu. Eine Prachtstraße, deren Bepflanzung ebenfalls eine Aufgabe für Champions war: die Planung übernahmen die Landschaftsarchitekten des Edinburgher Unternehmens GROSS.MAX. Die Gehölze wurden von drei ausgewählten Baumschulen geliefert, darunter von Europas größter Baumschule, Lorberg, die ihren Stammsitz westlich von Berlin im Havelland hat.

 

Hohe Anforderungen für ein Londoner Prestigeprojekt

Auf der Allee stehen sich jeweils ein Paar Großgehölze gegenüber, wobei sorgfältig darauf geachtet wurde, dass die gepflanzten Bäume möglichst identisch gewachsen sind.

Die Idee für die Allee besteht darin, dass Bäume der unterschiedlichen Längengrade der Welt in der Reihenfolge der Weltkugel gepflanzt werden. Die Baumschule Lorberg liefert vier verschiedene Arten, die noch bis Ende 2018 gepflanzt werden: Winterlinde (Tilia cordata), Platane (Platanus acerifolia), Feldahorn (Acer campestre) und  Sumpf-Eiche (Quercus palustris).

Alle Bäume haben einen Stammumfang von 50-60 cm, sind sechs bis neun Meter hoch und zwischen drei und vier Metern breit!

 

Pflanzung im Springring-Container

Um die hohen  Anforderungen an die großen Gehölze optimal zu erfüllen, wurden alle Bäume mindestens ein Jahr lang in Springring-Containern kultiviert. Diese schwarzen Noppenfolien sind gleichmäßig mit kleinen Löchern versetzt, damit die Wurzeln mehr Sauerstoff erhalten. Dadurch bildet der Baum viele Feinwurzeln, was zu einem dichten Feinwurzelnetz führt und die Pflanze optimal an dem neuen Standort anwachsen lässt.

 

Über die Vorteile der Springring-Methode, die Aufzucht der Bäume für die Allee der Champions und die ganz persönliche Freude einer Baumliebhaberin haben wir mit Lorberg-Expertin Dipl. Ing. Imke Kleinschmidt gesprochen.

 

Interview mit Dipl. Ing. Imke Kleinschmidt

Liebe Frau Kleinschmidt, Sie haben bereits Bäume für die Allee der Champions in London geliefert. Wie viele waren es bereits und werden es bis Ende 2018 sein? Und stimmt es, dass sogar eine Projekterweiterung in Planung ist?

Imke Kleinschmidt: Bislang haben wir zwei Platanen geliefert, im Frühjahr 2019 werden die nächsten sechs Großbäume geliefert. Eigentlich sollten diese Bäume schon in diesem Frühjahr gepflanzt werden, doch die Baustelle verzögert sich um ungefähr ein Jahr.

Wie ist Ihnen die Auswahl der fast identischen Baumpaare so gut gelungen? War diese eine große Herausforderung? Wie viel Vorlauf  benötigt Lorberg für ein so großes Projekt?

Imke Kleinschmidt: Zum Aussuchen der Gehölze  kamen der Landschaftsarchitekt, der Auftraggeber Wembley Park sowie ein Baumspezialist des Auftraggebers in die Baumschule und haben die jeweiligen Zwillingspaare ausgebunden. Das war gar nicht so einfach und ist mit Hilfe von Fotos gelungen, da die ausgewählten Bäume manchmal relativ weit voneinander entfernt standen. Dieser Baumschultermin fand im Frühjahr 2017 statt.

Sie haben für die Aufzucht Springring-Container benutzt. Wie funktioniert diese Methode genau?

Imke Kleinschmidt: Diese schwarzen Noppenfolien mit Löchern, ähnlich einer Drainagematte werden mit etwas Abstand um die Drahtballen gelegt und mit Substrat aufgefüllt. Die Wurzeln wachsen in Richtung der Luftlöcher. Dadurch  entsteht ein dichtes Feinwurzelwerk, welches das Anwachsen der Gehölze am neuen Standort erleichtert. Somit passiert der sogenannte „Pflanzschock“  schon in der Baumschule beim Pflanzen in den Springring und nicht am neuen Standort der Bäume.

In England wird der Springring schon länger genutzt, in Deutschland wird diese Art der Pflanzung ebenfalls immer beliebter. Gibt es  Herausforderungen und Vorteile  gegenüber anderen Methoden?

Imke Kleinschmidt: Die Produktion im Springring wirkt sich auf die Qualität der Gehölze sehr positiv aus, da diese besonders gut anwachsen. Ein weiterer großer Vorteil besteht darin, dass man die im Springring kultivierten Bäume  auch im Sommer pflanzen kann, unabhängig von der natürlichen Pflanzzeit im Frühling und Herbst.

Und zum Schluss noch eine persönliche Frage. Von der Projektidee, über die konkrete Planung und Umsetzung bis zur Fertigstellung des Projekts: Welche Gefühle durchläuft man als naturverbundener Mensch, Expertin für Gehölze und Projektverantwortliche? 

Imke Kleinschmidt: Ich freue mich, dass wir als große ostdeutsche Baumschule diesen Auftrag bekommen haben. Ich sehe dieses als Ergebnis einer jahrelangen guten Zusammenarbeit mit den Landschaftsarchitekten von Gross Max, mit denen wir schon viele Projekte in London und Oxford realisieren konnten. Dann hoffe ich natürlich bei jeder Lieferung, dass alles gut klappt und die Bäume fachgerecht gepflanzt und gepflegt werden, damit sie optimal am neuen Standort wachsen und gedeihen können.

 

Vielen Dank für das Interview!